Viva Las Vegas

Mit der Doppel-CD Viva Las Vegas  zelebriert Sony BMG im Jahr 2007 Elvis' Schaffen in der Spielerstadt.

Auf der ersten Disc sind neben dem Titelsong die allseits bekannten Live-Aufnahmen von 1970 und 1972 zu hören. In den Top Album Charts erreicht das Set den 94. Platz, in der Schweiz (82) und Österreich (8) kann es sich ebenfalls platzieren.

Interessant ist die zweite CD, denn hier veröffentlicht das Label erstmalig die Midnight Show vom 21. August 1969. Die Tonträger werden von einem 10seitigen Booklet begleitet, das ebenso schick gestaltet wurde wie die übrige Verpackung und neben einigen Bildern auch kurze Liner Notes enthält. Bei den Mitschnitten der Jahre 1970 und 1972 wurde der ursprüngliche Mix übernommen, für die Abmischung der Show vom August 1969 zeichnet Ray Bardani verantwortlich. Das Mastering übernahm Vic Anesini.


Auf der ersten Disc befinden sich folgende Aufnahmen:

Viva Las Vegas  (Studioaufnahme vom 10.07.1963), See See Rider  (17.02.1970), The Wonder Of You  (17.02.1970), Polk Salad Annie  (17.02.1970), Release Me  (18.02.1970), Let It Be Me  (17.02.1970), Proud Mary  (16.02.1970), I Just Can't Help Believin'  (13.08.1970), Walk A Mile In My Shoes  (19.02.1970), Bridge Over Troubled Water  (11.08.1970), Patch It Up  (12.08.1970), I've Lost You  (11.08.1970), You Don't Have To Say You Love Me  (10.08.1970), You've Lost That Lovin' Feeling  (13.08.1970), An American Trilogy  (16.02.1972), Never Been To Spain  (16.02.1972), You Gave Me A Mountain  (16.02.1972), It's Over  (17.02.1972), The Impossible Dream  (16.02.1972)


Da es hier um das Gastspiel vom Juli und August 1969 geht, soll die zweite Scheibe ausführlicher betrachtet werden. Hier möchte ich näher auf die Einzelnen Songs eingehen und ein paar Besonderheiten dieses Auftritts herausstellen.

 

 

Blue Suede Shoes

Passend zum wiedergewonnenen King Of Rock'n'Roll-Image startet Elvis sein Programm mit dem Klassiker Blue Suede Shoes  und gibt von der ersten bis zur letzten Note so richtig schön Gas.

Weil dieser Song am 21. August nicht mitgeschnitten wurde, ersetzte Sony BMG den Titel mit einer Aufnahme von der folgenden Show.

 

I Got A Woman

Der King kommentiert, er fühle sich, als sei sein Pferd gerade davongelaufen.

Dann steigt er in den Ray Charles-Hit I Got A Woman  ein und sprüht auch hier nur so vor Energie.

 

All Shook Up

Nach ein paar kleinen Gags singt Elvis seinen Top-Hit aus dem Jahr 1957.

Dabei drückt er abermals auf das musikalische Gaspedal und singt den Song deutlich schneller als damals im Studio. Zum Stil der Show passt diese rockige Version aber sehr gut.

 

Love Me Tender

Jetzt begrüßt der King auch offiziell sein Publikum, macht einige Scherze über die Gestaltung des Showrooms und nimmt sich auch selbst gehörig aufs Korn. Angeblich nahm er bereits 1927 seine ersten Songs auf, der folgende sei einer davon.

Wie üblich nutzt Elvis das Lied, um an die Damen am Bühnenrand ein paar Busserl zu verteilen.

 

Jailhouse Rock / Don't Be Cruel

Zunächst entschuldigt sich Elvis, dass er während seiner Auftritte so viel Wasser trinken müsse. Dann folgen ein paar Bemerkungen über den ebenfalls bereitstehenden Iso-Drink.

Musikalisch geht es weiter mit dem Jailhouse Rock, der geschickt mit Don't Be Cruel  zu einem Medley verbunden wird. Bei letzterem wandelt Elvis die Zeile ...please let's forget the past, the future looks bright ahead  in ..please let's forget the past, before I kick your...um und muss darüber herzhaft lachen.

 

Heartbreak Hotel

Ohne große Ansage setzt Elvis mit seinem ersten Nummer 1-Hit fort und präsentiert den Song in einem neuen, wunderbar bluesigen Arrangement.

Ihm selbst scheint der Titel ebenfalls Spaß zu machen, denn er hängt spontan noch eine Strophe dran.

 

Hound Dog

Jetzt kündigt Elvis den Message-Song des Abends an. Doch statt eines philosophischen Liedes mit bedeutungsschwerem Inhalt folgt Hound Dog, das mit seinen vier ewig gleichen Zeilen alles andere als intellektuell daherkommt, aber dafür ganz gehörig rockt.

Als kleine Variation singt der Meister ein paar Zeilen im Stakkato-Stil.

 

Memories

Der King teilt dem Publikum nun seine Phantasien über Kirk Kerkorian (dem Besitzer des International Hotels) und Howard Hughes mit. Er stellt sich vor, wie er mit den beiden Männern Crabs spielt. Hughes würde sagen I got Nevada, Kerkorian entgegnet I got New York und er selbst müsste antworten I got Memphis. Tja, als Provinzler hat man einen schweren Stand.

Nach einigen weiteren Gags kündigt Elvis einen Song aus seiner aktuellen Fernsehshow an, gibt aber zu, dass die Nummer nicht sonderlich gut sei.

Tatsächlich ist der Sänger in den folgenden Minuten auch mehr mit den Damen am Bühnenrand beschäftigt, als dass er sich auf seinen Vortrag konzentriert.

 

Mystery Train / Tiger Man

Nachdem der King einen seiner ersten Songs angekündigt hat, muss zunächst noch eine Lady am Bühnenrand mit einem Kuss versorgt werden. Dann greift der Meister aber zur Gitarre und beginnt mit Mystery Train, der A-Seite seiner letzten SUN-Single.

Der Song wird mit Tiger Man  zu einem Medley verwoben, wobei Elvis insbesondere im letzten Teil das Haus nach allen Regeln der Kunst rockt.

 

Monologue

Jetzt möchte Elvis dem Publikum aus seinem Leben erzählen und seine Sicht der Dinge vermitteln. Das tut er faktisch nicht immer korrekt, aber dafür äußerst unterhaltsam.

Bei dieser Gelegenheit stellt er den Zuschauern auch das Ehepaar Tippler vor und bedankt sich bei dieser Gelegenheit noch einmal für den Job. 1953 hatte er nämlich für deren Crown Electric-Filiale in Memphis gearbeitet und sich von dem Lohn eine Demo-Aufnahme beim Memphis Recording Service finanziert.

Das alles wirkt sehr charmant, doch leider stammt der Monologue gar nicht aus der Midnight Show am 21. August 1969. Vielmehr handelt es sich um einen Mitschnitt vom Dinner Konzert des folgenden Tages.

Ob dieser Teil des Programms seinerzeit nicht mitgeschnitten wurde oder das Tonband beschädigt war, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Baby What You Want Me To Do

Elvis bewaffnet sich nun mit einer E-Gitarre, schlägt einen Akkord an und lässt mit dem Tremolo-Hebel die Tonhöhe schwanken. Angeblich hat er lange gebraucht, um das Teil bedienen zu können.

Gleich im Anschluss beweist er allerdings, dass er so schlecht dann doch nicht spielt. Im Gegensatz zu der Fassung vom Soundtrack zur TV-Show SINGER presents Elvis  wird der King hier von der kompletten Band und den Hintergrundsängern begleitet.

 

Runaway

Vorsichtig summt Elvis nun ein paar Takte seines Hits Surrender. Allerdings hat er gar nicht vor, das Lied auch tatsächlich zu singen.

Stattdessen folgt die Del Shannon-Nummer Runaway, die das Publikum bis dato noch gar nicht von ihm kennt. Erst im Sommer des kommenden Jahres wird RCA Victor eine Aufnahme davon auf der LP On Stage - February 1970  veröffentlichen.

 

Are You Lonesome Tonight

Noch immer mit der E-Gitarre ausgestattet spielt und singt Elvis jetzt eines seiner bekanntesten Lieder. Im Vergleich zu der Fassung vom 3. August wurde hier die Geigenuntermalung durch Soprangesang ersetzt, was mir nicht so gut gefällt.

Am Schluss habe ich den Eindruck, die Band wolle noch weiterspielen während Elvis den Song bereits beendet. Wie dem auch sei, es handelt sich um Profis und alle hören gleichzeitig auf.

 

Yesterday / Hey JudeBlue

Ohne große Unterbrechung beginnt Elvis mit Yesterday. Dabei singt er heute statt ...I'm not half the man I used to be  die anzügliche Abwandlung ...I'm not half the stud I used to be. Übergangslos mündet die Ballade in das Finale von Hey Jude, das Elvis wieder zur Kontaktaufnahme mit dem Publikum nutzt.

Auch diese Songs kennen die Fans noch nicht von ihrem Idol. Yesterday  wird erst in einem dreiviertel Jahr auf dem Album On Stage - February 1970  veröffentlicht werden, Hey Jude  sollte gar erst 1972 auf der LP Now  zu kaufen sein.

 

Introductions

Bevor er im Programm fortfährt, stellt Elvis erst einmal seine Mitstreiter vor. Da der Gitarrist James Burton heute Geburtstag hat, singt ihm Elvis sogar ein Ständchen!

 

In The Ghetto

Wie üblich sagt Elvis das Lied als einen Titel an, der in letzter Zeit ganz gut für ihn gelaufen sei.

Normalerweise spielte James Burton sofort nach dem Satz die ersten Takte von In The Ghetto, heute aber verpasst er seinen Einsatz und beginnt erst mit einiger Verzögerung. Der King reagiert hörbar amüsiert, singt das Lied dann aber seriös durch.

Im Vergleich zur Studio-Aufnahme wird die Ballade heute schneller gespielt und hat auch einen härteren Beat.

 

Suspicious Minds

Gemäß den Angaben des Kings wird der Song in ein paar Wochen veröffentlicht werden, tatsächlich wird RCA Victor die Single aber schon in fünf Tagen auf den Markt bringen.

Elvis singt das Lied nicht nur, er zelebriert es förmlich und verpasst den Zuschauern dabei gleich noch eine Lektion zum Thema Body English..

 

What'd I Say

Mit Hochgeschwindigkeit fegen der King und seine Mannen nun durch What'd I Say.

Dabei erwecken die Jungs (und Mädels) zur Mitte des Songs den Eindruck, die Show sei nun vorbei. Elvis verlässt die Bühne und auch die Musiker lassen das Lied so klingen, als eile es dem Finale entgegen.

Doch dann taucht der King plötzlich wieder auf und bringt den Ray Charles-Hit mit ein paar weiteren Zeilen zu Ende.

 

Can't Help Falling In Love

Tatsächlich endet die Show mit dieser großartigen Ballade aus dem Film Blue Hawaii. Aufgrund der beiden vorangegangenen Action-Nummern klingt Elvis hier allerdings streckenweise kurzatmig, was aber keinen Anlass zur Kritik geben sollte.

Nach einer solchen Tour De Force hat er sich wahrlich eine Pause verdient.

 

Fazit & Bewertung

Elvis strotzt nur so vor Energie und präsentiert eine wahrlich spektakuläre Show. Die Aufnahme klingt exzellent und auch die Präsentation kann als gelungen bezeichnet werden. Die CD mit den Mitschnitten der Jahre 1970 und 1972 gefällt mir ebenfalls sehr gut, allerdings sehe ich die Scheibe nur als Bonus an.