The Return To Vegas

Im Sommer 2014 bringt Follow That Dream Records unter dem Titel The Return To Vegas  die wohl früheste Mischpultaufnahme dieses Gastspiels auf den Markt.

Vermutlich handelt es sich um die Dinner Show am 3. August 1969, das Label selbst gibt sicherheitshalber lediglich den August 1969 als Aufnahmezeitraum an.

Der Mitschnitt wurde von Jan Eliasson bearbeitet und klingt, soviel sei einmal vorweggenommen, für eine Aufnahme dieser Art absolut phantastisch.

Der Tonträger steckt in einem 7" Digipak und wird von einem Booklet mit Fotos und Hintergrundinformationen begleitet.

 

Blue Suede Shoes

Die CD beginnt mit einem rhythmischen Intro, zu dem Elvis den Saal betritt und sich von Charlie Hodge seine Gitarre abholt. So ausgestattet begibt er sich zum Mikrophon in der Mitte der Bühne und beginnt den Abend mit einem Rock'n'Roll-Klassiker von seiner ersten LP.

Mit seinen 34 Lenzen und einem Jahreseinkommen von mehreren Millionen US-Dollar ist Elvis freilich nicht mehr der wilde Jungspund von damals, aber hungrig ist er noch immer und das Rocken hat er auch noch nicht verlernt.

Seine Stimme klingt jetzt dunkler, neuerdings auch ein wenig rau. Natürlich ist das Arrangement nun komplexer, neben der Band stehen jetzt schließlich auch ein Orchester und zwei Gruppen für den Hintergrundgesang auf der Bühne.

Der Fokus liegt aber noch immer auf dem Rhythmus und der ist wahrlich nicht von schlechten Eltern.

 

I Got A Woman

Mit einem bluesigen well  leitet der King zu dem Ray Charles-Klassiker über.

Schon kurz nach der Veröffentlichung der Single hatten die Blue Moon Boys die Nummer in das eigene Live-Programm integriert und so war es fast schon logisch, dass Elvis sie im Studio aufnahm und auf seiner ersten LP präsentierte.

Hier in Las Vegas geht er ebenfalls mit Verve zur Sache, sehr gut gefallen mir auch die etwas nach vorn gemischten Harmonie-Stimmen.

 

All Shook Up

Elvis merkt kurz an, dass es schwierig sei, für die Dinner Shows in Fahrt zu kommen. Der Geist sei ja willig, aber der Körper mache was er wolle. Auf seiner Gitarre spielt Elvis jetzt ein Intro, bricht aber ab und meint, mit diesen Takten könne er jeden Song der Welt einleiten.

Tatsächlich folgt aber All Shook Up, eine seiner kommerziell erfolgreichsten Aufnahmen. Das Lied wird deutlich schneller gespielt als seinerzeit im Studio, doch es hat noch immer seinen Charme.

 

Love Me Tender

Jetzt bewegt sich der King ein paar Mal, was zur Belustigung des Publikums von Ronnie Tutt am Schlagzeug akzentuiert wird. Danach macht Elvis ein zweideutige, nur im Englischen funktionierende Bemerkung und begrüßt die Zuschauer im big freaky International Hotel.

Die opulente Dekoration des Showrooms wird dabei ebenso thematisiert, wie die eigene langjährige Abwesenheit von der Konzertbühne. Auch dies geschieht natürlich humorvoll und ist nicht ins Deutsche übertragbar.

Musikalisch geht es weiter mit dem Titelsong seines ersten Spielfilms. Das Arrangement erinnert ein wenig an die Version von der TV-Show SINGER presents Elvis  und gefällt mir deutlich besser als das sparsam instrumentierte Original.

Natürlich verteilt der Entertainer auch heute wieder ein paar Busserl an die Damen am Bühnenrand, insgesamt konzentriert er sich aber auf seinen Gesang und macht die Darbietung damit auch im heimischen Wohnzimmer genießbar.

 

Jailhouse Rock / Don't Be Cruel

Es folgen ein paar kleine Scherze, dann lassen es Elvis und seine Mannen wieder richtig schön krachen und präsentieren den Jailhouse Rock.

Nach etwa einer Minute geht das Lied in Don't Be Cruel  über, dessen Text der King hier und dort auf witzige weise abändert.

Offensichtlich hat er Spaß an den alten Kamellen und singt sie mit demselben Gusto wie Anno Tuck.

 

Heartbreak Hotel

Ohne Ansage stürzt sich Elvis in seinen ersten Nummer 1-Hit. Das neue Arrangement hat einen bluesigen Touch, es gibt ein paar lässig perlende Klavierläufe und ein tolles Gitarrensolo. Auch der Hintergrundgesang der Sweet Inspirations ist exzellent, insgesamt ist die Nummer ein echtes Highlight.

Nach dem Ende des Songs blendet die Aufnahme aus.

 

Hound Dog

Jetzt möchte Elvis einen Schluck Wasser trinken und macht natürlich auch daraus ein Ereignis. Dabei nimmt er sich selbst auf die Schippe und unterstellt den Zuschauern Gedankengänge a' la Er hat seinen Namen auf die Gitarre geschrieben - ich dachte nicht, dass er das noch nötig hat.

Danach behauptet er, man habe ihn nach einem Message Song für den heutigen Abend gefragt und das sei seine Idee gewesen: You ain't nothing but a hound dog  brüllt er in den Saal und die Band steigt punktgenau ein.

Zwar wiederholt der King hier nur immer wieder dieselben vier Zeilen, doch die reichen aus, um den Saal zum Kochen zu bringen.

 

Memories

Elvis arbeitet hart und so entschuldigt er sich für seinen Schweiß und den schweren Atem. Tatsächlich ringt er während der ersten Zeilen von Memories  ein wenig nach Luft, doch schnell hat sich der King wieder gefangen und singt mit der gewohnten Kraft.

Erneut nimmt er Kontakt zur Damenwelt auf, zumindest eine Lady am Bühnenrand erhascht dabei einen Kuss von ihrem Idol. Bei dem Song handelt es sich übrigens um den bis dato aktuellsten Beitrag des Abends.

Ende des vergangenen Jahres hatte die Ballade auf dem Soundtrack zur TV-Show SINGER presents Elvis  Premiere gefeiert, im Januar 1969 war sie von RCA Victor noch einmal separat auf einer Single veröffentlicht worden.

 

Mystery Train / Tiger Man

Nun informiert sich der King erst einmal über den weiteren Programmablauf. Ausgestattet mit der korrekten Information macht er ein paar Scherze über seine SUN-Aufnahmen und stürzt sich dann in einen formidablen Vortrag von Mystery Train.

Ohne Unterbrechung geht die Band zu Tiger Man  über, einem weiteren Song aus der TV-Show SINGER presents Elvis. Der Vortrag wirkt ein wenig geschliffener, strotzt aber noch immer vor Energie.

 

Monologue

Ausgestattet mit einer elektrischen Gitarre setzt sich Elvis auf einen Stuhl. Doch bevor er das nächste Lied zum besten gibt, möchte er erst einmal seine Lebensgeschichte erzählen und einige Dinge geraderücken.

Rein faktisch langt er dabei öfter mal daneben, amüsant ist der Monolog aber allemal. Danach wird die Aufnahme noch einmal ausgeblendet.

 

Baby What You Want Me To Do

Mit dem Blues-Song folgt ein weiterer Titel aus der Fernsehshow SINGER presents Elvis.

Die heutige Fassung ist natürlich größer instrumentiert und mit Hintergrundgesang versehen. Der macht seinem Namen diesmal alle Ehre, denn die Stimmen der Harmoniesänger sind im Mix wirklich weit nach hinten gezogen.

 

Are You Lonesome Tonight

Für diese Ballade wird das Audio Set Up allerdings wieder geändert, zudem glänzt das Orchester mit einer sehr geschmackvollen Geigenuntermalung. Die Sopranstimme, wie wir sie von den später entstandenen Stereo-Aufnahmen kennen, ist hier noch nicht zu hören.

Mir persönlich gefällt dieses frühe Arrangement besser.

 

Yesterday / Hey JudeBlue

Nach einer weiteren nicht ins Deutsche übertragbaren Zweideutigkeit beginnt Elvis mit Yesterday. Auch hier gibt es einen Unterschied zu den späteren Versionen, denn das Lied wird langsamer gespielt und wirkt dadurch intimer.

Einen kleinen Scherz kann sich der King dennoch nicht verkneifen und tauscht in der Zeile I'm not half the man I used to be  das Wort man  gegen stud  (also Hengst oder Stecher) aus.

Ohne Unterbrechung geht die Band in den mehr oder minder aktuellen Beatles-Hit Hey Jude  über, von dem allerdings nur das Ende vorgetragen wird. Die Nummer gibt den Hintergrundchören Gelegenheit zu glänzen und dem King eine weitere Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit den Fans.

Ohne visuelle Information mag im heimischen Wohnzimmer hier keine echte Stimmung aufkommen, das Publikum im Saal ist allerdings hörbar begeistert.

 

Introductions

Bevor Elvis im Programm fortfährt, stellt er erst einmal seine Mitstreiter vor. Dies tut er auf knappe und humorvolle Weise.

 

In The Ghetto

Mit ein paar Scherzen leitet der King zu seinem Nummer 3-Hit vom Frühsommer über. Bevor es losgeht, wird die Aufnahme noch einmal kurz ausgeblendet, wobei allerdings kaum etwas verloren zu gehen scheint.

Das Lied selbst wird etwas schneller gespielt als im Studio, das Arrangement klingt durch das Orchester und den verstärkten Einsatz der Hintergrundsänger weniger dezent. Der Vortrag ist gut, aber an die Studioaufnahme kommt er nicht heran.

 

Suspicious Minds

Musikalisch bleibt Elvis aktuell und stellt seine kommende Single vor. Was folgt, ist eine siebeneinhalb minütige Lehrstunde in Sachen Body English, bei der sich der Sänger totalverausgabt.

 

What'd I Say

Noch immer hörbar kurzatmig stürzt sich Elvis in diese großartige R&B-Nummer von Ray Charles, die auch in dem 1963er Presley-Musical Viva Las Vegas  Verwendung gefunden hatte.

Die Blechbläser und Hintergrundsänge werden hier schön herausgestellt, insgesamt wirkt mir der Vortrag allerdings ein wenig zu hecktisch. Alle Beteiligten drehen noch einmal voll auf, dann verlässt Elvis die Bühne. der Chor stellt nun ebenfalls den Gesang ein, jeden Moment wird auch die Band das Lied beenden.

Doch plötzlich kehrt der King zurück, die Hintergrundsänger legen wieder los und gemeinsam bringt man den Song zu einem furiosen Ende. Das Publikum rast.

 

Can't Help Falling In Love

Mit knappen Worten verabschiedet sich der Sänger und beginnt mit dem großen Hit aus seinem Spielfilm Blue Hawaii.

Das Arrangement erinnert an die Version aus der TV-Show SINGER presents Elvis, gesanglich kann sich die Ballade trotz einer gewissen Kurzatmigkeit des Hauptakteurs durchaus hören lassen.

Mit den letzten Akkorden senkt sich der Vorhang im Showroom Internationale, das Konzert ist zu Ende.

 

Fazit & Bewertung

Der Erfolg seines Bühnencomebacks ist noch längst nicht sichergestellt und so zieht Elvis hier hörbar nervös, aber gleichzeitig auch hochmotiviert zu Werke. Für mich als Fan ist es ungemein spannend, ihm bei der Arbeit zuzuhören und die Rückkehr eines der größten Live-Entertainer zu erleben, den die Welt je gesehen hat.