Live In Vegas

Zunächst hatte FTD die CD unter dem Titel White Knight In Vegas  angekündigt. Der Titel bezog sich auf die weißen Bühnenanzüge, die Elvis während des Gastspiels im Juli/August 1969 zum ersten Mal trug und später zu seinem Markenzeichen werden sollten.

Kurz vor der Veröffentlichung wurde den Verantwortlichen aber klar, dass sich auch die Mitglieder des Ku-Klux-Klans als White Knights bezeichnen und so wurde der Titel rasch in das unverfängliche Live In Vegas  geändert.

Wirklich ansprechend finde ich die Cover-Gestaltung nicht, dafür enthält das einfach aufklappbare Digipak diesmal ein Booklet mit den Erinnerungen der Journalistin Ann Moses sowie vielen Fotos und Abbildungen von Memorabilien.

Die Nachbearbeitung der Stereo-Aufnahme übernahm Vic Anesini, der -soviel sei schon einmal vorweggenommen- einmal mehr hervorragende Arbeit ablieferte.

 

Blue Suede Shoes

Wie üblich beginnt Elvis das Programm mit Blue Suede Shoes. Er singt sehr kraftvoll und auch die Band spielt auf den Punkt.

 

I Got A Woman

Nach einigen Scherzen steigt der King lässig in den Ray Charles-Klassiker ein und liefert auch hier einen druckvollen Vortrag.

Bei der Tonanlage kommt es kurzzeitig zu einer technischen Störung, was die Performance aber nicht beeinflusst.

 

All Shook Up

Zunächst gesteht Elvis dem Publikum, er fühle sich, als sei ihm gerade das Pferd davongelaufen. Dann stürzt er sich in eine Hochgeschwindigkeitsversion von All Shook Up.

Die hat zwar nur noch wenig mit der Originalaufnahme aus dem Jahr 1956 zu tun, passt aber zum Tempo der Show und rockt wie die Hölle.

 

Love Me Tender

Erst jetzt begrüßt der King die Zuschauer offiziell. Dabei macht er sich unter anderem über die Dekoration des Showrooms lustig und merkt an, dass die Lichtanlage noch immer nicht korrekt justiert sei. Er vermutet allerdings, dass der Fehler wohl erst für Nancy Sinatra (die nach Elvis im International Hotel gastierte) gerichtet werden würde.

Nach unzähligen weiteren Gags kündigt der King schließlich eine seiner ersten Aufnahmen an, die angeblich aus dem Jahr 1927 stammt. Tatsächlich folgt der Titelsong seines ersten Spielfilms, den Elvis allerdings zum intensiven Kontakt mit den Damen am Bühnenrand nutzt und reihenweise Küsschen verteilt.

 

Jailhouse Rock / Don't Be Cruel

Nach einem Räuspern und einem kleinen Scherz zum Einstieg rockt Elvis mit seinem Hit-Medley so richtig das Haus.

Selbstverständlich verzichtet er bei Don't Be Cruel  auch heute nicht auf die inzwischen allseits bekannte Textänderung und sorgt damit für zusätzlichen Unterhaltungswert.

 

Heartbreak Hotel

Offenbar auf ein eindeutiges Angebot antwortend vertröstet der King eine Dame auf nach der Show  und steigt sofort in eine wunderbar bluesige Fassung seines ersten Nummer 1-Hits ein.

Wirklich ernsthaft ist er allerdings nicht bei der Sache, denn abgesehen von kleinen Gags zwischendrin führt Elvis zum Schluss auch seine Musiker aufs Glatteis. Er gibt vor, das Lied beenden zu wollen, singt dann aber die letzte Strophe ein zweites Mal.

Es ist immer wieder toll zu hören, wie spontan die Musiker auf solche Spielchen ihres Chefs reagieren und sich gekonnt aus der Affäre ziehen.

 

Hound Dog

Jetzt kündigt Elvis den Message-Song des Abends an und erklärt, wie er die Dame seiner Wahl romantisch damit ansingen will. Das tut er in epischer Breite und macht sich am Ende sogar mit dem Kommentar ...to make a short story long  selbst über seine ellenlange Einleitung lustig.

Natürlich folgt jetzt keine liebliche Ballade, sondern der Rock'n'Roll-Klassiker Hound Dog. Obwohl Elvis immer nur dieselben vier Zeilen wiederholt, hat die Nummer so richtig schön Dampf und kommt gut rüber.

Als kleine Besonderheit variiert James Burton heute sein Gitarren-Solo ein wenig und spielt merklich anders als auf dem ebenfalls während dieses Gastspiels aufgezeichneten Albums Elvis In Person.

 

Memories

Nachdem der King seine Show bis dato ausschließlich mit Oldies und Greatest Hits der 1950er bestritten hatte, folgt jetzt ein Titel aus dem im Vorjahr ausgestrahlten TV-Special SINGER presents Elvis.

Wie zuvor bei Love Me Tender  schäkert der Entertainer hier ausgiebig mit den Ladys am Bühnenrand. Leider vernachlässigt er seinen Gesang dabei sehr und klingt manches Mal entsetzlich schief.

Das Publikum stört sich freilich nicht daran, hier zählt einzig und allein die Präsents des Stars.

 

My Babe

Der Song selbst hat zwar schon ein paar Jährchen auf der Uhr, von Elvis kennen die Zuschauer den Blues allerdings noch nicht.

Im Gegensatz zum vorherigen Vortrag legt sich der King hier wieder richtig ins Zeug, so dass auch das Zuhören im heimischen Wohnzimmer wieder Freude bereitet.

Als interessantes Detail am Rande sei angemerkt, dass Larry Muhoberac das Intro jetzt auf dem E-Piano spielt. Bei der vorherigen Show hatte er dazu noch den Flügel benutzt.

 

Mystery Train / Tiger Man

Bevor er den nächsten Song singt, nimmt sich Elvis mal wieder Zeit für einige Scherze. So erzählt er zum Beispiel, dass er während seines Dienstes in der US-Army versucht habe, das Gewehr als Gitarre zu benutzen und macht sich über die Verrenkungen früherer Jahre lustig.

Doch dann schlägt er auf seiner Gitarre die ersten Takte von Mystery Train  an, die Band steigt ein und das Feuerwerk beginnt. Elvis und seine Mannen rocken nach allen Regeln der Kunst das Haus!

 

Monologue

Wie an dieser Stelle des Programms üblich, erzählt Elvis dem Publikum scheinbar spontan aus seinem Leben und zieht sich selbst dabei mächtig durch den Kakao.

 

Baby What You Want Me To Do

Der King hat sich inzwischen mit einer E-Gitarre bewaffnet und beginnt mit dem Blues Baby What You Want Me To Do.

Die Fans kennen den Song bereits vom Soundtrack zur TV-Show SINGER presents Elvis, hier in Las Vegas wird die Nummer allerdings mit kompletter Band und Hintergrundchor gespielt.

 

Runaway

Elvis albert ein wenig mit seiner Gitarre herum und macht sich über seine begrenzten Fähigkeiten an dem Instrument lustig. Dann kündigt er ein Lied von 1926 an, das angeblich ein Jahr vor Love Me Tender, also zur Zeit des großen Börsencrashs (der tatsächlich 1929 stattfand), auf den Markt kam.

Tatsächlich wurde Runaway im Jahr 1960 veröffentlicht, Elvis' Version sollte zehn Jahre später auf dem Album On Stage - February 1970  zu hören sein. Die Fans im Saal kennen das Lied von ihrem Idol bis dato also noch nicht.

 

Inherit The Wind

Jetzt informiert Elvis das Publikum, dass der folgende Song zuvor noch nie live gespielt wurde und entschuldigt sich schon im Vorfeld für mögliche Patzer. Auch der Umstand, dass die Show für ein Schallplatten-Projekt mitgeschnitten wird, findet Erwähnung.

Tatsächlich merkt man dem Vortrag an, dass die Nummer nicht Teil des regulären Programms ist, insgesamt schlagen sich Elvis und seine Jungs aber ganz passabel und präsentieren das Lied ein wenig flotter als die Studio-Fassung.

Letztere sollte erst in einigen Wochen auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  veröffentlicht werden und war daher für die Zuschauer ebenfalls neu.

 

Yesterday / Hey Jude

Auch die beiden Beatles-Hits hat das Publikum von Elvis noch nicht gehört. Yesterday  sollte erst im Sommer des folgenden Jahres auf dem Album On Stage - February 1970  zu hören sein, Hey Jude  fand sich gar erst 1972 auf der LP Now.

Abgesehen von einem kleinen Scherz (Elvis singt ...I'm not half the stud I used to be) wird der erste Teil des Medleys seriös vorgetragen, von Hey Jude gibt es lediglich den Mitsing-Refrain zu hören.

 

Introductions

Bevor er seine Mitstreiter vorstellt, fordert Elvis zunächst alle Damen im Saal auf, ihre Zimmerschlüssel auf die Bühne zu werfen - er käme dann später rum. Wie üblich verziert der King die Introductions  mit vielen Gags und steigert damit den Unterhaltungswert ungemein.

Die im Publikum sitzende Sängerin und Schauspielerin Barbara McNair, Elvis' Filmpartnerin in Change Of Habit, wird ebenfalls erwähnt. Aus dem Hintergrund bekommt der King jetzt die Information, dass sich auch "Mama" Cass Elliot im Zuschauerraum befindet, worauf hin auch sie mit einigen netten Worten bedacht wird.

 

In The Ghetto

Mit der üblichen Bemerkung, dass der Song in der letzten Zeit ganz gut für ihn gelaufen sei, steigt Elvis in seinen großen Hit vom Frühsommer ein.

Hier in Las Vegas klingt In The Ghetto  deutlich weniger dezent als auf der Single, was zwar zum Tempo der Show passt, mir persönlich aber weniger gut gefällt.

 

Suspicious Minds

Kurz vor dem Ende der Show stellt Elvis jetzt auch seine aktuelle Single vor.

Etwa siebeneinhalb Minuten lang gibt Elvis alles und demonstriert dem Publikum live und in Farbe, was genau mit der Bezeichnung Body English gemeint ist.

 

Can't Help Falling In Love

Das Programm endet mit dem großen Hit aus dem Spielfilm Blue Hawaii. Musikalisch kann die heute Version kaum mit der zeitlosen Studio-Aufnahme konkurrieren, als großes Finale ist der Song aber bestens geeignet und dürfte auch bei den Zuschauern großen Eindruck hinterlassen haben.

 

Fazit & Bewertung

Einmal mehr präsentiert sich der King in absoluter Top-Form und liefert eine Show der Extraklasse. Hinzu kommt die großartige Tonqualität und das gut gemachte Booklet. Dass das Cover-Design nicht meinen persönlichen Geschmack trifft, fällt bei diesem Inhalt kaum ins Gewicht.