All Shook Up

Nachdem die Lachversion von Are You Lonesome Tonight  von RCA auf einer Single veröffentlicht wurde und die Songs Rubberneckin'  und This Is The Story  auf dem 3-CD-Set Collector's Gold  zu hören waren, bringt Follow That Dream im Jahr 2005 unter dem Titel All Shook Up  endlich die komplette Midnight Show vom 26. Januar 1969 auf den Markt.

Der Tonträger steckt in einem einfach aufklappbaren Digi-pak, das geschmackvoll mit Bildern von der entsprechenden Gastspielreihe gestaltet wurde.

Die Bearbeitung der Stereo-Aufnahme übernahm Lene Reidel.

 

Blue Suede Shoes

Wie üblich beginnt Elvis das Programm mit einem knackig-rockenden Blue Suede Shoes.

Er singt sehr kraftvoll und auch die Band spielt auf den Punkt.

 

I Got A Woman

Nach einigen Scherzen steigt der King lässig in den Ray Charles-Klassiker ein und liefert auch hier einen druckvollen Vortrag.

 

All Shook Up

Elvis erzählt, dass er in der Armee immer versucht habe, sein Gewehr als Gitarre zu benutzten.

Dann stürzt er sich ein eine rasante Version von All Shook Up. Das neue Arrangement hat zwar mit der klassischen Schallplattenaufnahme nichts mehr zu tun, fügt sich aber gut ins Tempo der Show ein.

 

Love Me Tender

Mit ein paar Scherzen über das kitschige Dekor im Showroom begrüßt der King nun sein Publikum und erklärt, dass er sich im Verlauf des Abends komplett zum Deppen machen werde.

Beim folgenden Love Me Tender  gibt er streckenweise ein wenig zu viel Gas, dafür hält er sich aber mit der Küsserei der Damen am Bühnenrand zurück.

 

Jailhouse Rock / Don't Be Cruel

Dem üblichen Gag mit den biggest records und einer nur im Englischen funktionierenden Zweideutigkeit folgt das Medley aus zweien seiner größten Hits.

Auch hier singt Elvis nahezu überschwänglich und liefert puren Rock'n'Roll.

 

Heartbreak Hotel

In wunderbar bluesigem Arrangement trägt der King nun seinen ersten Nummer-1-Hit vor.

Zwar kann er sich auch hier an ein, zwei Stellen kleine Albernheiten nicht verkneifen, insgesamt bringt er den Song aber relativ seriös über die Bühne.

 

Hound Dog

Dass Elvis den Rock'n'Roll-Klassiker mit einer Reihe von Gags einleitete, war während dieses Gastspiels üblich. Heute dreht er allerdings besonders auf und lacht sich anschließend über seine eigenen Witze kaputt.

Auch während des Songs muss Elvis kurzzeitig lachen, verleiht dem Vortrag aber gleichzeitig auch eine Extra-Portion Drive.

 

I Can't Stop Loving You

Einer kurzen Bemerkung über sein Wah Wah (Elvis' Ausdruck für Wasser) folgt mit dem Don Gibson-Klassiker ein Titel, den die Zuschauer noch nicht von ihm kennen.

Erst im Rahmen der kommenden Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  sollte der Song auch in der Presley-Variante käuflich zu erwerben sein.

 

Mystery Train / Tiger Man

Elvis albert nun erstmal ein wenig herum, dann stürzt er sich in das Medley aus Mystery Train  und Tiger Man.

Dabei kann er allerdings auch nicht ernst bleiben und muss mehrfach laut lachen. Nachdem er sich gefangen hat, rockt er allerdings was das Zeug hält.

 

Monologue

Wie gewöhnlich gibt Elvis jetzt den einen oder anderen Schwank aus seiner Jugend zum Besten. Aufgrund seiner gelösten Stimmung lacht er auch hier wieder laut über seine eigenen Witze und amüsiert sich offenbar ebenso gut wie das Publikum.

 

Baby What You Want Me To Do

Jetzt hat sich Elvis eine E-Gitarre gegriffen und macht sich über seine übersichtlichen Fähigkeiten an dem Instrument lustig. Nach ein paar weiteren Scherzen steigt er in den Blues-Song ein, den die Fans aus seiner TV-Show SINGER presents Elvis  kennen.

Im Gegensatz zu der Fernsehsendung präsentiert der King das Lied hier in Vegas allerdings in großer Besetzung mit Band und Chor.

 

Runaway

Mit knappen Worten kündigt Elvis den Del Shannon-Hit Runaway  an, zu dem er ebenfalls Gitarre spielt. Hier erlaubt er sich einen kleinen Gag und ändert die Zeile ...I wonder where you will stay  in ...I wonder where you will shave.

Nach dem Vortrag erwähnt Elvis, dass der Original-Interpret heute sogar im Publikum sitzt. Nach einigen Mühen wird Mr. Shannon auch vom Beleuchter gefunden und von den Zuschauern mit Applaus bedacht.

 

Are You Lonesome Tonight

Noch immer mit der E-Gitarre ausgestattet singt und spielt Elvis nun einen seiner größten Verkaufserfolge.

Allerdings kann er auch dabei das Albern nicht lassen und verwandelt die Frage ...do you gaze at your doorstep and picture me there?  in das weit weniger romantische ...do you gaze at your bald head and wish you had hair? 

Dieser Witz erweist sich binnen Sekunden als folgenschwerer Fehler, denn Elvis muss über seinen eigenen Gag dermaßen herzhaft lachen, dass er sich kaum wieder einkriegt. Die Zuschauer haben daran natürlich ebenfalls ihren Spaß und auch von den Mitwirkenden auf der Bühne ist Gelächter zu hören.

In dieser Umgebung ist Elvis nahezu chancenlos, seine Fassung wiederzugewinnen und tatsächlich bekommt er bis zum Ende des Liedes keine zwei zusammenhängenden Zeilen mehr zustande.

Zum Schluss kommentiert er treffend, er habe wohl gerade 14 Jahre (also seine gesamte Karriere) die Toilette herunter gespült.

 

Rubberneckin'

Vermutlich aufgrund der laufenden Schallplattenaufnahmen weicht Elvis jetzt vom üblichen Repertoire ab und möchte Rubberneckin'  singen. Das Lied ist auch in seinem kommenden Spielfilm Change Of Habit  zu hören, zudem plant RCA Victor die Veröffentlichung auf der B-Seite der Single Don't Cry Daddy.

Der Einstieg in die rhythmische Nummer misslingt ihm allerdings komplett, so dass er seinen Vortrag nach einigen Sekunden abbricht. Nachdem er seinen Musikern die Anweisung gegeben hat, die Nummer etwas schneller zu spielen, folgt ein zweiter Versuch.

Der funktioniert perfekt und hat so richtig schön Dampf. Schade, dass Elvis Rubberneckin'  nicht länger im Programm ließ, sondern sich auf diesen einen Vortrag beschränkte.

 

Yesterday / Hey Jude

Auch diese Beatles-Songs haben die Zuschauer noch nicht von Elvis gehört. Erst in einem dreiviertel Jahr würde Yesterday  auf der LP On Stage - February 1970  veröffentlicht werden, Hey Jude  sollte sogar erst 1972 auf dem Album Now  erhältlich sein.

Bis auf den typischen Gag mit der Zeile ...I'm not half the man I used to be  singt Elvis Yesterday  seriös durch, von Hey Jude  gibt es lediglich den Nananana-Teil zu hören.

 

Introductions

Mit den üblichen Gags versehen stellt der King seine Mitstreiter vor.

 

In The Ghetto

Im Frühjahr hatte Elvis mit dieser Ballade seinen größten Hit der letzten vier Jahre eingefahren. So ist es nur logisch, dass er das Lied auch hier in Las Vegas singt.

Abgesehen von einem kurzen Lacher am Anfang trägt er den Titel auch mit der gebotenen Ernsthaftigkeit vor.

 

Inherit The Wind

Jetzt möchte Elvis ein weiteres Lied ausprobieren, das nicht Teil des gewöhnlichen Programms ist. Er singt der Band das Intro vor, dann geht es los.

Zwar kann der King auch hier das Albern nicht lassen, insgesamt funktioniert This Is The Story  aber recht gut.

Die Zuschauer kennen das Lied bis dato noch nicht, erst in einigen Wochen wird es auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  erhältlich sein. In den Bühnenshows würde die Nummer in Zukunft allerdings nicht mehr vorkommen.

 

Suspicious Minds

Auch dieses Lied dürfte dem Publikum noch unbekannt sein, denn RCA Victor hat es erst heute auf den Markt gebracht.

Elvis präsentiert den Song als musikalische und körperliche Tour De Force und gibt sechseinhalb Minuten lang alles.

 

Can't Help Falling In Love

Völlig außer Atem verabschiedet sich der King und beendet das Programm mit einer Ballade aus dem Spielfilm Blue Hawaii.

Gesanglich bleibt er dabei weit hinter seiner Studio-Aufnahme zurück und auch das Verteilen von Küsschen an die Damen am Bühnenrand trägt nicht gerade zum Gelingen bei.

Allerdings geht es hier auch nicht um den Gesang, sondern einzig und allein um den Effekt. Und dieser Zweck wird voll und ganz erfüllt.

 

Fazit & Bewertung

Das Konzert hat einen hohen Unterhaltungswert, zudem präsentiert Elvis drei Songs, die man mit Fug und Recht als Raritäten im Bühnenprogramm bezeichnen kann. Die Aufnahme selbst klingt allerdings im Vergleich mit den Arbeiten von Vic Anesini und Dennis Ferrante ein wenig glanzlos. Es sei aber angemerkt, dass der Inhalt dieses Manko locker aufwiegt.